35mm-Kino: Woche des Mörders

Auf das Ende der Franco-Diktatur folgte die Movida Madrileña. Grelle, hedonistische Grenzüberschreitung löste die Unterdrückung in Spanien ab und mit Pedro Almodovàr und Ivan Zulueta drang sie auch ins Kino. Die (Homo-)Sexualität, das Rauschhafte, das Verschwimmen von Realität und Traum, der Vorrang des Poetischen vor dem Realismus oder einer straffen Dramaturgie, die Drogen: Vieles was, die Movida ausmachen sollte, findet sich schon in DIE WOCHE DES MÖRDERS, einem Film aus den letzten Jahren Francos. Nur versteckt es sich hier noch in einem Exploitationthriller. Eher zufällig setzt eine Spirale aus Morden ein. Marcos, ein Arbeiter im Schlachthaus einer Konservenfabrik, tötet im Affekt einen Taxifahrer und um seine Tat zu verstecken, tötet er immer weiter. Die Lakonie mit der Marcos das Töten hinnimmt, wie wenig er seine Opfer versteckt, womit er Verdacht und erneute Morde anlockt, wie er ohnmächtig seine Wohnung mit Blut, Verwesung und Insekten füllt, es ist absurd und niederschmetternd. Es ist aber nur die halbe Wahrheit. Die Sonne brennt in DIE WOCHE DES MÖRDERS und drückt auf den Geist. Marcos freundet sich mit einem reichen, voyeuristischen Nachbarn an und mit diesem dringen lebhafte Farben und ungeahnte, nur vage sich andeutende Emotionen in eine tote, tötende und todessehnsüchtige Klassengesellschaft. Voller introvertierter Schön- und Rätselhaftigkeit erzählt dieser blutige Film von einem verdrängten, in den Leuten schlummernden Reichtum, der im Leben in der Diktatur verschütt liegt. (rw)

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AB 18 JAHREN / 93 MINUTEN

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Mittwoch
19. August